Stadtgeschichte

Neumarkts Stadtgeschichte von der Gründung bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges

An einer wichtigen Fernhandelsstraße wird der „neue Markt“ gegründet.

Ein genaues Gründungsdatum Neumarkts ist nicht überliefert. Eine erste Siedlung unweit der älteren königlichen Hofmark Berngau dürfte sich Mitte des 12. Jahrhunderts etabliert haben, wahrscheinlich im Zuge der Verlagerung der Handelswege.

 

Die Gründung eines Marktes – lateinisch wurde Neumarkt stets novum forum (Neuer Markt) genannt – erfolgte an einer wichtigen Route des Fernhandelsverkehrs. Der „neue Markt“ lag am Verbindungsweg zwischen Nürnberg, dem Mittelpunkt des salisch-staufischen Reichslandes und Regensburg, der ältesten Fernhandelsstadt Süddeutschlands. Bereits 1146 wurde dort an der Donau eine der Hauptverkehrsadern Europas, die Steinerne Brücke, als einziger fester Donauübergang zwischen Ulm und Wien fertiggestellt.

 

Die Anlage Neumarkts mit einem breiten Straßenmarkt entlang der Mittelachse des gesamten Siedlungsraumes ist typisch für bayerische Städtegründungen des 12. und 13. Jahrhunderts. Mit den beiden senkrecht dazu ausgerichteten Querachsen von Hallertorstraße und Klostergasse ergibt sich eine Aufteilung in vier Viertel, die wiederum in ein Netz aus weitgehend parallel und senkrecht angeordneten Gassen unterteilt werden. Im Zentrum befindet sich das Rathaus sowie – ein wenig zurückversetzt – die Stadtpfarrkirche St. Johannes. Ein Tor wird erstmals 1239 erwähnt, die Stadtbefestigung selbst erst 1315.

 

Erste urkundliche Erwähnung

Die bisher als erste urkundliche Erwähnung angesehenen Nennungen in den Traditionsbüchern der Klöster Prüfening (ca. 1135) und Reichenbach (ca. 1160) dürften nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen dem „novum forum Camb“ (1210 belegt), einem neuen Markt bei Cham zugeordnet werden müssen, dessen Gegenstück auch heute noch als Altenmarkt (erstmals 1135 belegt) auch heute noch als Stadtteil Chams besteht.

 

Für die frühe Ortsgeschichte gewinnt die in einer Eichstätter Quelle überlieferte Weihe einer Kirche in „nivwenmarchet“ um 1185 neues Gewicht. Da Kirche und der dazugehörige Ort zu diesem Zeitpunkt bereits länger bestanden haben müssen, kann eine Besiedelung bereits um 1160 angenommen werden, höchstwahrscheinlich ist der Ort noch älter. Gesicherte urkundliche Belege sind derzeit jedoch nicht bekannt.

 

Die erste gesicherte urkundliche Nennung Neumarkts stellt die Urkunde Kaiser Friedrichs II. aus dem Jahr 1235 dar. In ihr wird Nürnberger und Neumarkter Kaufleuten gegenseitige Zollfreiheit gewährt, beide Städte werden auch als gleichwertig beschrieben. Erstmals werden die Begriffe cives (Bürger) für die Einwohner Neumarkts und civitas (Stadt) für das Gemeinwesen genannt.

 

Während der Herrschaft des Stauferkaisers Friedrich II. unterstand die Stadt unmittelbar dem Reich. Da im 13. Jahrhundert vielfach eine Vermischung von staufischem Hausgut und Reichsgut vollzogen worden war, kam es nach dem Tod des letzten Staufers Konradin zu Unstimmigkeiten zwischen den wittelsbachischen Erben und dem deutschen König über die Zugehörigkeit Neumarkts. Infolge der wiederholten Verpfändungen gelang es Neumarkt jedoch nicht, den Status einer Reichsstadt zu behaupten.

 

Neumarkt gelangt in die Hände der Wittelsbacher und wird bei der Teilung des Territoriums 1329 der Pfalz am Rhein zugesprochen.

Mit dem Tode des letzten Staufers im Jahre 1268 gelangte Neumarkt in die Hände der Wittelsbacher. Konradin hatte seine Onkel, die Herzöge Ludwig und Heinrich von Bayern, zu seinen Erben bestimmt. Ein Jahr später teilten diese das staufische Erbe, wobei Neumarkt und Berngau Ludwig zugesprochen wurden. König Rudolf von Habsburg bestätigte 1274 diese Erwerbung.

 

Dennoch gab es in der Folge seitens des deutschen Königs mehrfach Bestrebungen, die einst dem Reich zugehörigen Güter zurückzugewinnen. Adolf von Nassau forderte zunächst von Ludwig einen Teil des staufischen Erbes zurück, darunter auch Neumarkt und Berngau. Um jedoch das versprochene Heiratsgut seiner Tochter Mechthild aufzubringen, war er am 17. Juli 1297 gezwungen, diese Besitzung samt zugehöriger Rechte an seinen neuen Schwiegersohn, Herzog Rudolf I. von Bayern, den Sohn Ludwigs, zu verpfänden. Ein Jahr später wurde Adolf von Nassau gestürzt und Albrecht I. von Habsburg am 27. Juni 1298 zum König gewählt.

Im Zuge seiner entschlossenen Politik, den Einfluss der Kurfürsten zurückzudrängen, forderte Albrecht I. die verpfändeten Reichsgüter ein. Herzog Rudolf I. verweigerte jedoch zunächst die Herausgabe. Albrecht I. konnte Neumarkt wieder für das Reich gewinnen und verlieh der Stadt 1301 dieselben Rechte und Vergünstigungen, wie Nürnberg sie innehatte.

 

Nach der Ermordung König Albrechts I. am 1. Mai 1308 erklärte sein Nachfolger Heinrich VII. von Luxemburg einen Tag nach seiner Königswahl am 27. November 1308 Herzog Rudolfs I. Ansprüche auf Neumarkt für berechtigt. Der guten Verbindungen zum Hause Luxemburg hatte sich Rudolf schon zuvor durch die Verlobung seines ältesten Sohnes mit der Tochter des neuen Königs versichert.
 

Trotz der wiederholten Bestätigungen ihrer alten Rechte, wie etwa durch König Ludwig 1316, durch König Ruprecht 1401, durch König Sigismund 1417, durch König Friedrich III. 1442 und zuletzt durch Kaiser Karl V. 1521, verblieb die Stadt Neumarkt seit dem Jahre 1308 in den Händen der Wittelsbacher. Unmittelbar nach dem Tod Albrechts I. hatte die Stadt am 23. Mai 1308 gegen die jährliche Entrichtung von 200 Pfund Heller ihre Rechte und Freiheiten von den Herzögen Rudolf I. und Ludwig IV. zugesichert bekommen. In Anerkennung ihrer neuen Landesherren huldigten die Neumarkter den Wittelsbachern, doch mit dem Vorbehalt „dem Heiligen Römischen Reich in seiner Eigenschaft und an allen unseren Freyheiten und gutten gewonheiten unendgolten.“

 

Als nach dem Tode Rudolfs I. die Teilung der wittelsbachischen Lande unter Ludwig IV. und seinen Neffen 1329 im Hausvertrag von Pavia erfolgte, wurden Neumarkt und Berngau den wittelsbachischen Besitztümern zugerechnet. Mit diesem Vertrag wurden zwei voneinander unabhängige Fürstentümer geschaffen: Das Herzogtum Bayern und die Pfalzgrafschaft am Rhein, welcher auch ein Teil des Nordgaus, die spätere Obere Pfalz, zugesprochen wurde. Neumarkt und Berngau gehörten fortan bis zum Verlust der Oberpfalz durch Friedrich V. 1628 zur pfälzischen, der sogenannten rudolfinischen Linie des Hauses Wittelsbach.

Im 15. Jahrhundert war Neumarkt Residenzstadt pfälzischer Nebenlinien.

Als der rheinische Kurfürst Ruprecht III., der später auch die deutsche Königskrone erlangte, am 18. Mai 1410 starb, wurde das pfälzische Territorium unter seinen vier Söhnen aufgeteilt. Johann, der zweitälteste Sohn, erhielt die Oberpfalz, mit Ausnahme der Ämter Amberg, Kemnath, Waldeck, Nabburg, Murach, Helfenberg, Heinzburg und Rieden. Johann, der schon sechs Jahre lang Statthalter in der Oberpfalz war, wählte neben seiner Geburtsstadt Neunburg vorm Wald die Stadt Neumarkt zur Residenz und ließ hier ein neues Schloss errichten.

 

Mit dem Einzug des Hofstaates begann für Neumarkt eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit: Nicht nur ein neues Schloss, auch die Stadtpfarrkirche St. Johannes, die Hofkirche und das Rathaus entstanden in jenen Jahren. Die Haimburg ließ Pfalzgraf Johann zu einem Jagdschloss umgestalten. In Gnadenberg stiftete er auf Anregung seiner Gattin, Katharina von Pommern, 1426 das erste Birgittenkloster Süddeutschlands. 

 

Nur ein einziger Sohn, Christoph, überlebte seine Mutter Katharina, die bereits 1426 starb. Nach der 1439 erfolgten Absetzung seines Onkels, Erich von Pommern, wurde Christoph 24jährig zu dessen Nachfolger als skandinavischer König gewählt. Als sein Vater, Pfalzgraf Johann, 1443 in Neumarkt starb, fiel ihm dessen oberpfälzisches Erbe zu, das er von einem Statthalter verwalten ließ. Mit Christophs Tod 1448 erlosch die Linie Pfalz-Neumarkt-Neunburg, da seine Ehe kinderlos geblieben war. Die Erben waren die beiden jüngeren Brüder Johanns, wovon Stephan von Simmern-Zweibrücken seinen Erbteil an Otto I. von Mosbach veräußerte.
 

Im Gegensatz zu Pfalzgraf Otto I. von Mosbach, der 1461 starb, hielt sich sein Sohn, Otto II., vorwiegend in der Oberpfalz auf. Ihm gelang es 1465, die Herrschaft Wolfstein zu erwerben. Eine Vorliebe hegte Otto II. für die Wissenschaften, insbesondere für Astronomie und Mathematik. In seiner Neumarkter Residenz ließ er den sogenannten „Mathematikerturm“ errichten. Um sich seinen Studien besser widmen zu können, zog er sich gegen Ende seines Lebens von den Regierungsgeschäften zurück. 1499 starb Otto II. von Mosbach in Neumarkt, wo er als einziger Pfalzgraf seine letzte Ruhestätte in der Hofkirche fand. 

 

Mit dem Tod Ottos II. erlosch auch die Linie des Hauses Pfalz-Mosbach, und das Erbe fiel an die Kurlinie zurück. Die Wiedervereinigung der oberpfälzischen Lande bedeutete für Neumarkt einen schmerzlichen Verlust: Denn Amberg, das seit 1410 Zentrum der oberpfälzischen Besitzungen der Kurlinie war, wurde nun die Residenzstadt für die gesamte Oberpfalz.

 

Pfalzgraf Friedrich II. verlegt seine Residenz von Amberg nach Neumarkt und lässt hier ein neues Schloss errichten.

Noch zu Beginn des 16. Jahrhunderts war die Stadt Neumarkt an die pfälzische Linie der Wittelsbacher lediglich verpfändet. Nach dem Tode des Kurfürsten Philipp im Jahre 1508 unterblieb eine Teilung des pfälzischen Territoriums. Für die Obere Pfalz wurde eine Vereinbarung getroffen, die dem neuen Kurfürsten Ludwig V. das einst der Kurlinie anhängige Gebiet als alleinigen Besitz zusprach. Das ehemalige Neumarkter Herzogtum aber sollte ihm und seinem Bruder Friedrich II. gemeinsam gehören.

 

Als Statthalter für beide Territorien wurde Pfalzgraf Friedrich II. eingesetzt, der zunächst in Amberg, später jedoch in Neumarkt residierte. Von ständiger Geldnot getrieben, verbrachte er viele Jahre auf Reisen. In Neumarkt hielt er sich nachweislich nur in der Zeit um 1520, 1530 und von Februar 1533 bis 1538 auf. Als im Jahre 1520 das von Pfalzgraf Johann erbaute Schloss abbrannte, ließ er es von dem Eichstätter Baumeister Erhard Reich im Stil der Renaissance neu aufbauen. Es bestand aus vier Gebäudeflügeln mit Innenhof, die an drei Seiten von einem Wassergraben umgeben waren. Samt der prächtigen Innenausstattung durch namhafte Künstler zogen sich die Arbeiten bis 1539 hin. Auch das Zeughaus, der heutige Reitstadel, entstand in jenen Jahren.
 

Die Auszeichnung, wieder Residenzstadt zu sein, musste Neumarkt allerdings teuer bezahlen. Hatte Kaiser Karl V. noch 1521 die alten Rechte der nun schon seit mehr als 200 Jahren an die Wittelsbacher verpfändeten Stadt bestätigt, so verfügte er am 15. Juni 1531 die Aufhebung der Verpfändung und die erbliche Übereignung an die Pfalzgrafen – und damit den endgültigen und unwiderruflichen Verlust der Reichsfreiheit.

 

Friedrich II. heiratete 1535 im Alter von 52 Jahren die 15jährige Dorothea, eine Tochter des aus den drei nordischen Königreichen vertriebenen Königs Christian II. und Nichte Kaiser Karls V. Mit der Ankunft Dorotheas in Neumarkt vergrößerte sich die Hofhaltung; zahlreiche in der Nähe des Schlosses gelegene Häuser wurden vom Pfalzgrafen erworben.

 

Mit dem Tod seines Bruders Ludwig V. 1544 erlangte Friedrich II. die Kurwürde und siedelte nach Heidelberg über. Höher gesteckte Ziele, seinen durch die Ehe mit der Königstochter Dorothea erworbenen Anspruch auf die dänische Krone zu erheben, vermochte er jedoch auch nach jahrelangen Bemühungen niemals durchzusetzen. Dorothea kehrte nach dem Tod ihres Gatten im Jahre 1556 nach Neumarkt zurück, denn zum Unterhalt der erst 36jährigen Witwe waren ihr das Schultheißenamt Neumarkt und einige Ämter der Umgebung samt Wolfstein zugesprochen worden.

Neumarkt übernimmt das lutherische Bekenntnis.

Die Einführung des Calvinismus führt zu Unruhen.

 

Während der Statthalterschaft Pfalzgraf Friedrichs II. begann die Neumarkter Bevölkerung sich mit der Lehre Luthers auseinanderzusetzen. Obwohl der Reformator Martin Bucer vom Pfalzgrafen 1521 als Hofkaplan in Dienste genommen wurde, blieb das Verhältnis des Stadtherrn gegenüber dem neuen Gedankengut zunächst eher zwiespältig.

 

Die Initiative zur Übernahme des lutherischen Bekenntnisses ging indes von der Neumarkter Bürgerschaft aus. Eigenmächtig bestellte der Rat Prediger und übernahm 1537 gar die Verwaltung der pfarrlichen Einkünfte. Die 1540 vorgetragene Bitte des Rates, das Abendmahl unter beiderlei Gestalt empfangen zu dürfen, gewährte Friedrich II. nur für eine Nebenkirche.

 

Kurfürst Ottheinrich erließ nach seinem Regierungsantritt 1556 die Kurpfälzische Kirchenordnung, die außer der Unterbindung noch bestehender katholischer Traditionen die vielen Sonderentwicklungen der Reformation vereinheitlichen sollte. Während diese auch für die übrigen Landesteile der Oberpfalz verbindlich wurde, widersetzte sich die nach dem Tode Friedrichs II. in Neumarkt residierende Dorothea der Einführung in ihren Wittumsämtern. Dort herrschte bis zu ihrem Tode die weniger strenge Brandenburgische Kirchenordnung. Auch die im folgenden Jahr begonnene Kirchenvisitation und die damit einhergehende Entfernung katholischer Bilder und Kultgegenstände aus den Kirchen wusste die Kurfürstenwitwe in ihrem Gebiet zu verhindern. Selbst als nach dem Erlöschen der kurpfälzischen Linie Friedrich III. von Pfalz-Simmern als neuer Kurfürst eine calvinisch beeinflusste Lehre trotz heftigen Widerstandes durchzusetzen suchte, blieb Dorotheas Wittum von diesem Vorhaben ausgenommen.

 

Mit Dorotheas Tod im Jahre 1580 war die Zeit der weitgehend unbehelligten Religionsausübung in Neumarkt zu Ende. Die Wittumsämter fielen an den jüngeren Bruder des Kurfürsten, Pfalzgraf Johann Casimir. Als entschlossener Verfechter des Calvinismus drängte Johann Casimir auf dessen Einführung im lutherischen Neumarkt und ließ zunächst Geistliche und Beamte auswechseln. Während in der Hofkirche dieses Vorhaben sofort umgesetzt wurde, widersetzte sich die Neumarkter Bevölkerung der Calvinisierung ihrer Pfarrkirche St. Johannes, indem sich der Rat der Stadt auf seine alten – allerdings seit 1531 verlorenen – Rechte als Reichsstadt berief.

 

Lange schwelte der Konflikt zwischen Pfalzgraf und Stadt, und als Neumarkt beim Reichskammergericht 1591 einen kaiserlichen Schutzbrief erwirkte, antwortete Johann Casimir mit der Verlegung der Märkte nach Lauterhofen, Freystadt und Berngau. Dieser wirtschaftlichen Erwerbsgrundlage beraubt, griffen die Neumarkter zu den Waffen. Überraschend kam die Nachricht vom Tode Johann Casimirs, der am 6. Januar 1592 gestorben war. Die Lage hatte sich inzwischen beruhigt, und der neue Landesherr, Kurfürst Friedrich IV. gewährte den Neumarktern neben der Kurpfälzischen reformierten Lehre auch die Duldung des lutherischen Bekenntnisses. Die Bilderstürme von 1596 und 1604 verdeutlichen jedoch den zunehmenden Einfluss des Calvinismus. 1614 wurde schließlich für die Pfarrkirche ein calvinischer Geistlicher eingesetzt.

 

Ein jähes Ende war der Reformation in der Oberpfalz durch den Dreißigjährigen Krieg gesetzt. Mit der Niederlage am Weißen Berg 1620 verlor Friedrich V. nicht nur die Kurwürde, sondern auch die Oberpfalz. Die Rekatholisierung wurde zunächst mithilfe von Jesuiten und Kapuzinern betrieben. Nachdem aber Maximilian I. von Bayern 1628 die Oberpfalz und die rechtsrheinischen Gebiete der Rheinpfalz zugesprochen bekommen hatte, setzte er der Bevölkerung ein Ultimatum, binnen sechs Monaten zum katholischen Glauben überzutreten oder das Land zu verlassen.

Stadtpfarrkirche St. Johannes Bapt Stadtpfarrkirche St. Johannes Bapt

Ähnlich der Gesamtentwicklung Bayerns vollzog sich im 19. Jahrhundert der Wandel Neumarkts von einer Land- zu einer Industriestadt eher zögernd und in kleinen Schritten.

 

Die industrielle Entwicklung Bayerns, das bislang landwirtschaftlich und kleingewerblich geprägt war, vollzog sich zunächst mit geringer Dynamik. Anfangs waren nur die Städte Augsburg und Nürnberg wegen ihrer hochentwickelten Handwerkstradition, des entwickelten Kapitalwesens und der Existenz verzweigter Handelsorganisationen regional begrenzte Bereiche einer kontinuierlichen Wirtschaftsentwicklung.

 

Später trat München als Wirtschafts- und Finanzzentrum hinzu. Aber auch in kleineren Städten wie Schweinfurt, Würzburg und Hof setzte in der zweiten Jahrhunderthälfte allmählich der Industrialisierungsprozess ein. Die staatliche Industrialisierungspolitik – Anschluss an den Zollverein als Voraussetzung zur Vereinheitlichung der Handelsbedingungen im Staatsgebiet, Liberalisierung der Gewerbegesetzgebung bis hin zur Einführung der vollständigen Gewerbefreiheit – war erst dann wirksam, als der Staat seine Zurückhaltung als Bahnunternehmer aufgab.

 

Der Aufbau der Staatsbahnen um die Jahrhundertmitte, bedeutete eine beträchtliche Ausweitung der staatlichen Wirtschaftsförderung. Trotz der verschiedensten politischen Maßnahmen und hinreichender innovativer Voraussetzungen konnte der landesweite Mangel an Energieträgern nie ganz ausgeglichen werden. So entstanden in Bayern keine geschlossenen Industriebezirke wie etwa das Ruhr- oder Saargebiet, sondern lediglich kleinere Industrieräume.

 

In Neumarkt waren bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts nur geringe Vorboten der neuen Zeit zu erkennen. Erst nach der Jahrhundertmitte änderte sich das mittelalterliche Erscheinungsbild der Stadt, indem neue Zufahrtswege geschaffen wurden. Eine unabdingbare Voraussetzung für die Industrialisierung der Stadt war die Schaffung einer modernen Infrastruktur.
 

Obwohl der Ludwig-Donau-Main-Kanal mit hohem Aufwand errichtet wurde – seit 1846 war Neumarkt Hafenstadt – , wurden die in ihn gesetzten wirtschaftlichen Erwartungen nicht erfüllt. Seit dem Bau der Eisenbahnlinie Nürnberg-Regensburg und der Eröffnung der Teilstrecke nach Neumarkt im Jahre 1871 war der Kanal völlig bedeutungslos geworden. Jedoch gerade durch den Anschluss an das Eisenbahnnetz wurde es möglich, an der in Bayern bereits fortgeschrittenen Industrialisierung Anteil zu haben.

 

Mit dem zügigen Ausbau der Straße zum neu errichteten Bahnhof schuf die Stadt die Basis für die Ansiedlung von Betrieben. Metall- und holzverarbeitende Unternehmen ließen sich im Laufe der folgenden Jahrzehnte hier nieder. So entstand das erste Industriegebiet außerhalb der Stadtmauer. Um die Jahrhundertwende wurde dann auch in der Innenstadt die Infrastruktur modernisiert und die Wasser- und Gaszufuhr sowie die Kanalisation installiert. Da sich die Stadt mit der Elektrifizierung noch fast ein Vierteljahrhundert Zeit ließ, begannen die ortsansässigen Industriebetriebe bereits mit der Planung eigener Stromerzeugungsanlagen. Der grundlegende Wandel Neumarkts von einer agrarisch geprägten Landstadt zu einer Industriestadt vollzog sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg.

Neumarkts Weg in die Industrialisierung vollzog sich wie in ganz Bayern nur in kleinen Schritten

Erst nach 1850 begannen auch in Neumarkt die Schornsteine zu rauchen, so wie hier bei den Express-Werken

1933

Die Nationalsozialisten vermarkteten erfolgreich die Stadt als Geburtsort von Hitlers Mentor und Förderer Dietrich Eckart (1868 – 1923).
Hermann Göring nutzte die Reichstagssitzung am 23. März, um als Eröffnungsrede an Eckarts 65. Geburtstag zu erinnern. In der Folge wurden unzählige Straßen, Plätze, Schulen und andere Gebäude, Sportstätten, Schiffe etc. nach Hitlers Freund und Förderer benannt.
Auf der Sitzung wurde das Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich beschlossen, das als „Ermächtigungsgesetz“ die Grundlage des nationalsozialistischen Unrechtsstaats lieferte.
Am 29. Oktober kam Reichskanzler Adolf Hitler nach Neumarkt, um am Nachmittag das Dietrich Eckart gewidmete Brunnendenkmal im Stadtpark einzuweihen. Bis 1945 diente die große Rasenfläche davor als Ort von Gedenk- oder Vereidigungsfeiern.

1941/42 bis 1945

Das in der früheren Kunstmühle bzw. seit 1920 Papierfabrik eingerichtete RAD-Lager wurde seit 1941 als Gefangenenlager für russische Kriegsgefangene verwendet. Hier starben zu Kriegszeiten 220 Soldaten und 21 noch nach der Befreiung.
Dazu kam 1942 noch ein Durchgangslager für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die überwiegend aus den eroberten osteuropäischen Ländern verschleppt worden waren. 1.572 Menschen (818 Männer, 467 Frauen und 287 Kinder) verloren hier durch Krankheiten und Unterversorgung ihr Leben.

1942

Am 3. April und 28. Mai wurden die letzten jüdischen Bürgerinnen und Bürger über Regensburg in die Vernichtungslager deportiert. Damit endete nach vorausgegangenen Demütigungen, Handelsboykotten, Entrechtungen und der Zerstörung der Synagoge die letzte Epoche jüdischen Lebens in der Stadt, die 1862 mit dem Zuzug besonders aus Sulzbürg lebender Juden ihren Anfang genommen hatte. Ein einziger Überlebender kehrte kurzzeitig zurück und emigrierte in die USA.

1942

Am 3. April und 28. Mai wurden die letzten jüdischen Bürgerinnen und Bürger über Regensburg in die Vernichtungslager deportiert. Damit endete nach vorausgegangenen Demütigungen, Handelsboykotten, Entrechtungen und der Zerstörung der Synagoge die letzte Epoche jüdischen Lebens in der Stadt, die 1862 mit dem Zuzug besonders aus Sulzbürg lebender Juden ihren Anfang genommen hatte. Ein einziger Überlebender kehrte kurzzeitig zurück und emigrierte in die USA.

Dieses Bild zeigt möglicherweise einen der letzten jüdischen Mitbürger, geleitet von einem Stadtpolizisten

Kein Krieg in der jahrhundertealten Geschichte Neumarkts hatte je derartig zerstörerische Folgen wie der Zweite Weltkrieg. In den ersten Kriegsjahren kannte man Tod und Zerstörung nur als fernes Geschehen. In Neumarkt fühlte man sich lange Zeit in Sicherheit, auch die Evakuierten aus den Großstädten im Norden, die hier Zuflucht suchten.

 

Doch unweit der Stadt im Süden wurde hergestellt, was Hitler für seinen totalen Krieg so dringend benötigte: Das Neumarkter Sprengstoffwerk lieferte Handgranaten und Minen für die Soldaten an der Front. Amerikanische Aufklärungsflugzeuge hatten das Terrain bereits im August 1944 erkundet, so dass man in Washington genau über die Situation vor Ort unterrichtet war. Mit Fortschreiten des Krieges wurden in den Sprengstoffwerken – wie auch in anderen Neumarkter Fabriken – verstärkt Zwangsarbeiter eingesetzt.

 

An den Hängen des Fuchsberg hatte die nationalsozialistische Führung 1942 eigens ein Lager eingerichtet, von dem aus die verschleppten Menschen in Industriebetriebe weitergeleitet wurden. Besonders katastrophale Zustände herrschten im Gebäude der einstigen Kunstmühle, wo russische Kriegsgefangene unter menschenunwürdigen Bedingungen interniert waren.


Am 23. Februar und am 11. April 1945 fielen Bomben auf Neumarkt.

Anfang des Jahres 1945 warnten die Sirenen in Neumarkt immer häufiger vor drohenden Luftangriffen. Am Freitag, den 23. Februar 1945, wurde kurz nach 11 Uhr erneut Luftalarm gegeben. Viele Menschen, die den Bomberverband am Fenster stehend beobachteten, vermuteten einen Angriff auf Nürnberg. Doch plötzlich schwenkten die Flugzeuge mit der Mittagssonne im Rücken von Süden her ein und warfen ihre Sprengbomben auf Neumarkt. Ziel des zwölfminütigen Angriffes der amerikanischen Luftwaffe waren der Bahnhof und das benachbarte Industriegebiet.

 

Die Innenstadt blieb weitgehend verschont. In der Ingolstädter- und der Hallstraße schlugen vereinzelt Bomben ein. 22 Neumarkter verloren bei diesem Angriff ihr Leben. Im Industriegelände begrub ein einstürzender Bunker 90 russische Zwangsarbeiter. Auch der zum Schutz vor Bomben- und Granatsplittern errichtete Deckungsgraben am Bahnhof konnte den Detonationen nicht standhalten. Dort hatten sich auch die Insassen eines vollbesetzten Flüchtlingszuges aus Ungarn untergestellt. Der von einer dicken Betonschicht geschlossene Graben wurde jedoch zur unentrinnbaren Todesfalle, denn trotz des raschen Einsatzes eines Rettungstrupps gelang es nicht, Überlebende zu bergen.

 

Nach den Schrecken des Angriffes versuchten die Neumarkter so schnell wie möglich, die Schäden zu beheben.


Am 11. April fielen erneut Bomben auf Neumarkt. Wie am 23. Februar sollte auch dieser Angriff der 8. U.S.-Air Force in erster Linie dem wieder instandgesetzten Bahnhof gelten. Die aus nördlicher Richtung anfliegenden 71 Maschinen warfen weitaus weniger Bomben als beim ersten Angriff, jedoch enthielten die meisten die doppelte Sprengladung. Viele Bomben verfehlten aber ihr eigentliches Ziel und trafen stattdessen den Stadtkern, wo am Oberen und Unteren Markt und insbesondere im Johannisviertel schwere Schäden entstanden.

 
Der Widerstand der SS hat die Zerstörung der Stadt zur Folge.

Nach dem zweiten massiven Luftangriff der Alliierten am 11. April 1945 suchten die meisten Neumarkter Schutz im Umland. Als die Front täglich näher rückte, erfolgte am 15. April die offizielle Aufforderung zur Evakuierung. Zu jenem Zeitpunkt war Neumarkt bereits weitgehend menschenleer, nur wenige hatten sich entschieden, in ihrer Stadt auszuharren.

 

Am 18. April hatte eine Artillerieabteilung der Wehrmacht die Stadt verlassen. Auch die in den umliegenden Dörfern einquartierten ungarischen und volksdeutschen Freiwilligen der Waffen-SS waren schon abkommandiert worden. Indessen hatten sich einen Tag zuvor etwa 20 bis 30 Mann der 17. SS-Panzergrenadierdivision „Götz von Berlichingen“ in der Stadt verschanzt. Die Aufgabe dieser Division bestand darin, mit einem Regiment bei der Verteidigung der Stadt Nürnberg mitzuwirken. Vor allem aber sollten sie mit zwei Regimentern südlich von Nürnberg eine Abwehrlinie aufbauen.

 

Einige beherzte Bürger bemühten sich, an offizieller Stelle die kampflose Übergabe der Stadt zu erwirken. Als der Polizeimeister jedoch bekannte, dass er selbst keinen Einfluss auf das Geschick der Stadt mehr habe, mussten die Bittenden unverrichteter Dinge abziehen. Einen letzten Versuch, Neumarkt zu retten, mag möglicherweise der Feuerwehrkommandant unternommen haben. Ob er aber tatsächlich die Absicht hatte, die weiße Flagge zu hissen, und von der SS erschossen wurde, konnte niemals geklärt werden.

 

Am Mittwoch, den 18. April, gegen 14.30 eröffnete amerikanische Artillerie aus Norden und Nordwesten das Feuer. Die SS antwortete mit Geschützfeuer, unterstützt durch Artillerie auf den Jurahöhen. Nachdem die von der Ortschaft Berg herannahenden amerikanischen Panzer von deutscher Artillerie beschossen worden waren, zogen sie sich umgehend zurück, um auf Verstärkung zu warten. Die nachrückende amerikanische Artillerie begann mit ihren Geschützen, Neumarkt ins Visier zu nehmen. Flugzeuge mit Spreng-, und Brandbomben sowie Phosphorkanistern an Bord wurden zur Unterstützung eingesetzt.

 

Am Morgen des 19. April versuchten drei amerikanische Sherman-Panzer über die Badstraße in die Innenstadt vorzudringen. Als sie jedoch zum Finanzamt kamen, wurden sie dort von der SS mit einem Panzerabwehrgeschütz beschossen. Zwei amerikanische Panzer wurden getroffen und brannten aus. Nach diesem verlustreichen Vorstoß verschärften die Amerikaner am 19. April ihr Artilleriefeuer auf Neumarkt und setzten erneut Flugzeuge mit Bomben ein, bis die gesamte Innenstadt lichterloh brannte.

 

Nachdem der Widerstand der SS am 22. April gebrochen war, glich die Stadt einer trostlosen Steinwüste. Hie und da loderten noch Brände auf. Der Feuersturm hatte ausgebrannte Häuser mit gespenstischen Fassaden hinterlassen; entlang der Marktstraße waren lediglich zwei Häuser verschont geblieben. Im historischen Stadtkern von Neumarkt lagen 92 Prozent der Bausubstanz in Trümmern.
 

Trotz der immensen Zerstörungen gelang es den Neumarktern, ihre Stadt zügig wiederaufzubauen, nicht zuletzt dank der hier ansässigen Baustoffindustrie. Nachdem die größte Wohnungsnot beseitigt und Schulgebäude wiedergeherstellt waren, wurde auch das alte Rathaus im Herzen der Stadt wieder errichtet und 1957 eingeweiht.

Starke Frauen – ein aktuelles Thema in der Gesellschaft. Auch in der Stadt Neumarkt lassen sich seit dem Mittelalter und der frühen Neuzeit bis heute Frauen finden, die durch ihre außergewöhnlichen Leistungen auffallen.

 

Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März 2021 rufen wir das Projekt „Starke Neumarkter Frauen“ ins Leben und werden diese Seiten unregelmäßig mit neuen Inhalten und Informationen über Neumarkterinnen füllen.

Katharina Tucher, * um 1380, † um 1450

Verfasserin frauenmystischer Offenbarungsliteratur 

Lebte bis zum Tode ihres Mannes Otto 1419 in Neumarkt, zog danach nach Nürnberg, wo sie ins Katharinenkloster eintrat.
Überaus bemerkenswert ist ihr hoher Bildungsstand – beim Eintritt ins Kloster übereignete sie diesem ihre 26 Bücher/Handschriften umfassende Bibliothek.

Kloster Gnadenberg bei Berg, Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz; Stich des Klosters aus dem "Churbaierischen Atlas" des Anton Wilhelm Ertl 1687; Quelle: Wikipedia, gemeinfrei

Katharina von Pommern-Stolp, *1384, † 12. März 1426 in Neumarkt i.d.OPf.

Erste Gemahlin des Pfalzgrafen Johann von Pfalz-Neumarkt. 

Gemeinsam mit ihrem Ehemann stiftete sie das Birgittenkloster Gnadenberg; 

Ihr Sohn Christoph wurde später König von Dänemark, Norwegen und Schweden.

Foto: Stadtmuseum Neumarkt i.d.OPf.

Dorothea von Dänemark und Norwegen, * 10. November 1520, † 31. Mai 1580 in Neumarkt i.d.OPf.

Gemahlin des Kurfürsten Friedrich II. von der Pfalz. 

 

Nach dem Tod ihres Ehemannes 1556 lebte sie im Pfalzgrafen-schloss in Neumarkt, wo sie in konfessionspolitischer Hinsicht – auch im Zusammenwirken mit dem späteren Kurfürsten Ludwig VI.,– als überzeugte Anhängerin Luthers die Einführung der reformierten Konfession (Calvinismus) verhinderte.  

Anna Ehrnsperger geb. Schmaus, *1851 in Neumarkt i.d.OPf., † 15. Mai 1907 ebda.

Erfolgreiche Unternehmerin 

 

Nachdem ihr Mann Xaver Ehrnsperger 1889 starb, musste sie die Leitung der Gastwirtschaft „Zum goldenen Lamm“ sowie die der Brauerei allein übernehmen.

 

Sie verlegte den Standort der Lammsbrauerei in die Amberger Straße und konnte die Produktion so steigern, dass sie 1899 den größten Neumarkter Braubetrieb überflügelte.

Stefan Rosenbauer, Liesel Simon mit drei ihrer Handpuppen, Fotografie 1920er bis 1930er Jahre © HMF Horst Ziegenfusz

Karoline Simon, gen. Liesel geb. Goldschmidt, * 21. August 1887 Neumarkt i.d.OPf., † 23. Mai 1958 Quito (Ecuador)

Puppenspielerin, Schauspielerin und Autorin 

 

Ab März 1926 trat sie mit dem „Rundfunkkasperl“ im Sendesaal des Südwestdeutschen Rundfunks in der Kinderstunde auf.

 

Während der NS-Zeit durfte sie nur noch im Rahmen des Jüdischen Kulturbunds auftreten, für den sie mehrfach im Rhein-Main-Gebiet und in Berlin spielte.

 

Im Sommer 1941 gelang es ihr in buchstäblich letzter Minute nach Südamerika auszuwandern.

Foto: Stadtarchiv Neumarkt

Katharina „Käthe“ Dorsch, * 29. Dezember 1890 in Neumarkt i.d.OPf., † 25. Dezember 1957 in Wien

Sängerin und Schauspielerin 

Als 15jährige sang „Käthe“ im Extrachor des Nürnberger Stadttheaters, einige Sprechrollen folgten. Dann wurde sie Operettensoubrette in Mainz und Berlin, wo sie 1919 zur Schauspielerei überging.

Sie avancierte zu einem der berühmtesten Bühnen- und Filmstars ihrer Zeit und wirkte in zahlreichen Produktionen mit.

Benediktina Auer, Foto: Heinrich_Stadtarchiv

Maria Benediktina Auer, *17. Februar 1900 in Vilsbiburg, † 31. Juli 1980 in Dorfen

Arme Schulschwester, die im Jahr 1926 an die katholische Mädchenschule in Neumarkt berufen wurde. 

 

Nach dem Krieg wirkte sie beim Aufbau des gesamten Schulwesens in Neumarkt tatkräftig mit und führte von 1945 bis 1953 freiwillig die hauswirtschaftliche Berufsschule neben der Volksschule. 

 

Von 1948 bis 1970 war sie die Rektorin der kath. Mädchenvolksschule in Neumarkt. 

 

Wegen ihrer Verdienste wurde ihr 1965 Bürgermedaille der Stadt Neumarkt verliehen.

Anna Fuchs geb. Amann, * 27. November 1900 in Nürnberg, † 24. März 1968 in Neumarkt i.d.OPf.

Erste Frau im Neumarkter Stadtrat

 

Als langjähriges Kirchenchormitglied hat sie sich stets von der NSDAP ferngehalten und war damit politisch unbelastet.

 

Am 27. Januar 1946 wurde sie zur Stadträtin gewählt, trat jedoch bei der Wahl im April 1948 nicht mehr an.

Dr. Elisabeth Fuchs, * 1920 in Memmingen, † 2019 in Neumarkt

Erste Neumarkter Ärztin nach dem Krieg

 

1945 wurde sie von US-Soldaten mit dem Jeep in die Dörfer und zu den Gehöften gefahren, dann sattelte sie auf das eigene Motorrad um, um die medizinische Versorgung im Umkreis Neumarkts aufrecht zu erhalten.
Im Jahr 2002 wurde ihr die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

 

Sie errichtete eine Stiftung, die dauerhaft das Klinikum Neumarkt unterstützt und fördert und war zudem Gründungsstifterin der Bürgerstiftung Region Neumarkt.
Für ihr Engagement erhielt sie 2010 die Silberne Stadtmedaille.

 

Der Kneippverein ernannte sie zum Ehrenmitglied und 2016 wurde sie für 70 Jahre Mitgliedschaft beim Roten Kreuz geehrt.

Frieda Dotzauer, * 12. Februar 1923 Grünlas, † 2011 in Neumarkt i.d.OPf.

Stadträtin und Kreisrätin

 

Nach dreißigjähriger Pause zogen erstmalig wieder zwei Frauen in den Neumarkter Stadtrat ein.
Eine davon war Frieda Dotzauer/SPD die von 1978 bis 1990 im Stadtrat tätig war.

 

Rund 20 Jahre lang war sie stellvertretende Orts-vorsitzende ihrer Partei und kämpfte jahrzehntelang als Betriebsrätin für die Belange der Arbeitnehmer. Von 1984 bis 1990 war sie im Kreistag vertreten.

 

Höhepunkt ihrer politischen Karriere war das Amt der stellvertretenden Landesvorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen in Bayern.

 

2009 verlieh ihr die SPD die Ehrenmedaille des Kreisverbands für ihr Lebenswerk.

Magret Hölle_Foto: Christel Steinberger; lichtung-verlag

Margret Hölle, geb. Margarete Sträußl, * 2. April 1927 in Neumarkt i.d.OPf., † 16. Oktober 2023 in München

Lyrikerin und Erzählerin 

 

Mit ihren seit 1956 in Zeitschriften und Anthologien veröffentlichten Gedichten führte sie die Mundart des Oberpfälzer Jura in die bayerische Literatur ein.

 

Viele ihrer Texte las sie in Rundfunk und Fernsehen und erreichte somit ein breites Publikum.

 

In ihrer Heimatstadt Neumarkt erhielt sie 1990 den Kulturpreis und engagierte sich für die Gründung des 2004 eröffneten Museums Lothar Fischer.

Foto: Eva Gaupp, Neumarkter Tagblatt

Anni Lang, * 1932 in Neumarkt i.d.OPf.

Stadtchronistin

 

Seit 1957 ist Anni Lang Mitglied im Historischen Verein, hielt zahlreiche Vorträge, sammelte Bilder und verfasste Publikationen zur Geschichte von Neumarkt. Sie hält die Erinnerung an die Stadtgeschichte aufrecht.

 

Von 1994 bis 2004 war sie zudem Vorsitzende des Vereins, zu dessen Ehrenvorsitzenden sie 2005 ernannt wurde. 1999 wurde ihr der Neumarkter Kulturpreis verliehen.

Hela Buchner, * 1934 in Neumarkt i.d.OPf.

Stadträtin und Referentin für Altenheime und Senioren

 

Bekannt für ihr Engagement in der Seniorenarbeit, initiierte Hela Buchner in ihrer Zeit als Stadträtin (1990 bis 2008) den Seniorenbeirat und etablierte zahlreiche Veranstaltungen wie den Seniorenfasching, den Seniorennachmittag am Volksfest, die G6-Senioren u.v.m. in Neumarkt.
2008 erhielt sie die Kommunale Dankurkunde.

 

Sie ist Mitbegründerin und ehemalige Vorsitzende der Frauenunion in Neumarkt.

 

Aus einer Musikerfamilie stammend, war sie eine beim Publikum beliebte Sängerin. Sie gründete 1978 den Frauenbundchor und sang 75 Jahre lang im Chor des Münsters St. Johannes.

Foto: Werner Bierschneider

Berta Forster, * 1934 in Neumarkt i.d.OPf.

Engagierte Bürgerin

Von 1984 bis 2004 war sie Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins und erhielt 2004 den Ehrentaler der Stadt Neumarkt.

Sie engagiert sich stark für den Stadtteil Pölling, auf ihre Initiative geht der Gänselieslbrunnen und die bekannte Hochzeitsallee zurück, aber auch der Pöllinger Weihnachtsmarkt und die Stele der Heiligen Familie vor dem Haupteingang der Pöllinger Pfarrkirche zur 950-Jahr-Feier, die sie ebenfalls maßgeblich mitgestaltet hat.

2005 gründete sie den Kulturkreis Neumarkt und war bis 2020 dessen Vorsitzende. Sie organisierte Konzertreisen in ganz Europa. Für ihr Engagement wurde ihr 2015 der Neumarkter Ehrenamtspreis „Stille Helden“ verliehen.

Ingrid Bär, * 1946 in Neumarkt i.d.OPf.

Stadträtin und Referentin für Jugend, Familie und Soziales 

 

Frau Bär ist eine der beiden Frauen, die nach dreißigjähriger Pause 1978 wieder in den Stadtrat einzog und sich dort engagierte bis sie 1990 auf eigenen Wunsch ausschied.
Sie initiierte die erste Jugenddisco, einen Babysitter-Dienst und die Errichtung eines Kinderhortes.

 

Sie war die erste weibliche Ortsvorsitzende der CSU im Landkreis Neumarkt und im Herbst 1975 Gründungsmitglied  des Frauen Union Kreisverbands Neumarkt.

Als Gründungsvorsitzende des Vereins Krankenhaushilfe e.V. (gegründet 08.12.1988) ist sie  bis heute die treibende Kraft. 

 

Für ihr „verdienstvolles Wirken zum Wohle der Allgemeinheit“, gesellschaftlich und politisch, wurde sie 1998 sogar mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.
2016 erhielt sie die Landkreismedaille für ihr ehrenamtliches Engagement.

Ursula Plankermann, * 1945 in Backnang (BW)

Amtierende Stadträtin

 

Von 1984, ihrem ersten Jahr als Stadträtin, war sie bis 1996 Mitglied im Kulturausschuss, anschließend bis 2002 im Verwaltungs- und Kultursenat; danach Mitglied im Bau-, Planungs- u. Umweltsenat; weiterhin ist sie seit 2008 Partnerschaftsreferentin für Issoire.

 

2009 erhielt sie die Goldene Stadtmedaille für 25 Jahre Mitgliedschaft im Stadtrat, wo sie bis heute aktiv ist. Als Kreisrätin wirkte sie von 1990 bis 2002 an der Entwicklung der ganzen Region mit.
Für ihr ehrenamtliches kommunalpolitisches Wirken erhielt sie 2009 vom Bayerischen Staatsminister des Innern die Kommunale Verdienstmedaille in Bronze.

 

Sie war 22 Jahre Vorsitzende des Theatervereins Schlossspiele e.V., der unter ihrem Vorsitz 1996 den Neumarkter Kulturpreis erhielt.

Ursula Nießen, * 1952 Kaisersesch

Krisen- und Trauerbegleiterin

 

1998 wurde sie im 1995 gegründeten Hospizverein aktiv und wirkt dort seit 2002 als Vorsitzende.

 

Rund um die Uhr steht sie dem Verein zur Verfügung.
In ihre Zeit als erste Vorsitzende des Hospizvereins fallen unter anderem 2003 der Aufbau des Kriseninterventionsteams, das seitdem in permanenter Rufbereitschaft steht, die Einführung der Trauerbegleitung für Kinder und für Angehörige nach einem Suizid oder die Veranstaltung eines besinnlichen Nachmittags für alleinstehende Trauernde am Heiligen Abend.

 

Für ihr Engagement erhielt sie 2016 die Silberne Stadtmedaille der Stadt Neumarkt und 2019 wurde sie vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege mit dem Weißen Engel ausgezeichnet.

Ruth Dorner, * 1960 in Neumarkt i.d.OPf.

Erste Frau als 1. Bürgermeisterin der Stadt Neumarkt i.d.OPf. Stadträtin; Kreisrätin

 

Als Stadträtin (2002 bis 2020) war sie seit 2002 Referentin für die Agenda 21; ab 2008 zudem Klimaschutzbeauftragte und von 2014 bis 2020 Referentin für Nachhaltigkeitsförderung. Von 2008 bis 2014 bekleidete sie das Amt der 1. Bürgermeisterin und war von 2008 bis 2020 Kreisrätin.

 

Sie initiierte das Bürgerhaus und durch ihre Bestrebungen wurde Neumarkt 2009 als erste bayerische Kommune „Fairtrade Stadt“, erhielt 2012 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis und wurde 2019 „Hauptstadt des Fairen Handels“.
Schon seit 1983 ist sie Vorsitzende des Eine Welt Ladens. 

 

2021 erhielt sie das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten für Verdienste von im Ehrenamt tätigen Frauen.

Vera Finn, * 1960 in Saarbrücken

Journalistin und ehrenamtlich Engagierte

 

Sie trug dazu bei, dass zahlreiche Vereine und Initiativen ins Leben gerufen wurden, die im Bereich des Sozialen und der Bildung ehrenamtlich viel Gutes in Neumarkt leisten.

 

Als Mitbegründerin der „Freiwilligen Agentur Neumarkt (FAN) war sie nach der Vereinsgründung von 2006 bis 2018 deren Vorsitzende. Aber auch der Verein „GENIAL e. V.“ wurde durch sie federführend initiiert, gegründet und ausgebaut.

 

Zudem ist sie Gründungsmitglied und Mitinitiatorin der „Bürgerstiftung Region Neumarkt“.

 

Für ihr Engagement wurde ihr 2019 die Goldene Stadtmedaille verliehen.

Gertrud Heßlinger, * 1962 in Neumarkt i.d.OPf.

Amtierende 2. Bürgermeisterin, Stadträtin, Referentin für Familie und Soziales

 

Besonders setzt sie sich für Familien, für soziale Belange und für die Gleichstellung ein.
Seit 2002 im Stadtrat aktiv ist sie zunächst Referentin f. Wohnungswesen (2002-2014) und seit 2008 Referentin für Familie und Soziales (zzgl. seit 2020 auch Soziale Stadt). Seit 2014 bekleidet sie das Amt der 2. Bürgermeisterin.

 

Das Neumarkter Familienzentrum ernannte die Politikerin 2014 für ihre engagierte Arbeit zum Ehrenmitglied. Vom SPD-Ortsverein Neumarkt erhielt sie 2017 den Ehrenbrief der Partei mit der Willy-Brandt-Gedächtnismedaille als Wertschätzung für ihr besonderes Engagement. 

 

Von der Partnerstadt Mistelbach wurde ihr 2019 das Ehrenwappen in Gold für ihre Verdienste um die Städtepartnerschaft verliehen.

Lizzy Aumeier, Foto: Andreas Riedel

Elisabeth „Lizzy“ Aumeier, * 20. Januar 1964 in Neumarkt i.d.OPf., † 10. Oktober 2024 in Nürnberg/Klinikum Nord

Kontrabassistin und Musik-Kabarettistin. 

 

Sie gilt als Entdeckung des bayerischen Musikkabaretts, was sich in verschiedenen bayerischen Kabarett- und zwei Kulturpreisen widerspiegelt (2003 erhielt sie den Neumarkter Kulturpreis).

 

Seit rund 25 Jahren steht sie auf (Kleinkunst-)Bühnen in Bayern und in der ganzen Republik und wird in Ausstrahlungen des BR,  ARD,  ZDF und 3SAT von einem breiten Publikum wahrgenommen.*

Foto: Birgit Lutz

Birgit Lutz, * 1974 in Neumarkt i.d.OPf.

Schriftstellerin und Expeditionsleiterin 

 

Sie war insgesamt fünfzehn Mal am Nordpol. 

 

2013 durchquerte sie auf Skiern Grönland. Danach wurde sie zum Fellow des Explorers Club New York ernannt. 

 

Über ihre Expeditionen, Bücher und ihr Engagement gegen Plastikmüll hält Lutz Vorträge in Deutschland, Österreich und der Schweiz und auf Schiffen in der Arktis.

Dahoam is Dahoam: Katharina Benninger (Carina Dengler) | Bild: BR/Nadya Jakobs

Carina Dengler, * 11. November 1994 in Neumarkt i.d.OPf

Schauspielerin und Sängerin 

 

2010 bis 2018 trat sie unter dem Namen „Carina“ als Sängerin im Bereich Volksmusik/volkstümliche Musik auf.

 

Seit 2013 spielt sie in der BR-Serie „Dahoam is Dahoam“, in der sie zum Hauptcast gehört und die Rolle der Katharina „Kathi“ Benninger verkörpert. 

Über ihre Expeditionen, Bücher und ihr Engagement gegen Plastikmüll hält Lutz Vorträge in Deutschland, Österreich und der Schweiz und auf Schiffen in der Arktis.

In Neumarkt gibt es noch viele weitere Powerfrauen, die wir nach und nach hier präsentieren wollen. Schauen Sie doch einfach wieder mal vorbei!

 

Wer Vorschläge einreichen will, kann dies mit einer kurzen Erläuterung unter Telefon 09181/255-2620 bzw. per E-Mail an barbara.leicht@neumarkt.de 

 

Idee und Konzept: Amt für Kultur, Stadt Neumarkt i.d.OPf.

Die Anfänge

Wahrscheinlich Mitte des 12. Jahrhunderts entsteht an der wichtigen Fernhandelsroute zwischen Nürnberg (Mittelpunkt des salisch-staufischen Reichslandes) und Regensburg (älteste Fernhandelsstadt Süddeutschlands) der Neue Markt (lat. „novum forum“). Offizielles Gründungsjahr ist 1160 – in diesem Jahr wird Neumarkt erstmals urkundlich erwähnt. 1235 gewährt Stauferkaiser Friedrich II. Nürnberger und Neumarkter Kaufleuten gegenseitige Zollfreiheit, beide Städte werden für gleichwertig erachtet. Unter Friedrichs II. Herrschaft ist die Stadt direkt dem Reich unterstellt. 1268 kommt es zum Streit zwischen den Erben des letzten Stauferkaisers und dem deutschen König über die Zugehörigkeit Neumarkts. Schließlich gelangt die Stadt in die Hände der Wittelsbacher und wird 1329 der Pfalz am Rhein zugesprochen.

Neumarkt wird Residenzstadt

Johann, Sohn des rheinischen Kurfürsten Ruprecht, wählt die Stadt 1410 zu seiner Residenz und lässt ein neues Schloss errichten. Der Einzug des Hofstaates führt zu wirtschaftlicher und kultureller Blüte: Neben dem Schloss entstehen die Stadtpfarrkirche St. Johannes, die Hofkirche und das Rathaus. 1520 macht Pfalzgraf Friedrich II Neumarkt zum Regierungs- und Verwaltungszentrum für die gesamte Oberpfalz. Im erweiterten Schloss mit Hofkirche und Zeughaus (heute Reitstadel) herrscht glanzvolles höfisches Leben.

Reformation

Während Friedrichs II. Statthalterschaft beginnt die Neumarkter Bevölkerung, das lutherische Bekenntnis zu übernehmen, doch der Dreißigjährige Krieg beendet die Reformation. 1628 kommt die Obere Pfalz zum Herzogtum Bayern und wird wieder katholisiert. In der Folgezeit erlebt Neumarkt einen Abstieg zum unbedeutenden Landstädtchen.

Aufbruch ins Industriezeitalter

Der Wandel von der Land- zur Industriestadt vollzieht sich nur langsam, bis Mitte des 19. Jahrhunderts sind kaum Zeichen der neuen Zeit zu erkennen. Erst danach ändert sich das mittelalterliche Erscheinungsbild der Stadt und neue Zufahrtswege werden geschaffen. Die Eisenbahnlinie Nürnberg-Regensburg und vor allem die Eröffnung der Teilstrecke nach Neumarkt im Jahre 1871 bringen der Stadt Anteil an der Industrialisierung. Mit dem zügigen Ausbau der Straße zum neu gebauten Bahnhof fördert die Stadt die Ansiedlung von Betrieben. Metall- und holzverarbeitende Unternehmen lassen sich nieder, das erste Industriegebiet außerhalb der Stadtmauern entsteht. Dieser wirtschaftliche Aufschwung führt in den 1920er Jahren zu einem erheblichen Bevölkerungszuwachs.

Zeit des Nationalsozialismus

Während der Nazi-Herrschaft wurde Neumarkt als Geburtsort von Hitlers Mentor Dietrich Eckart bekannt. 1933 erinnerte Hermann Göring bei einer Reichstagssitzung an Eckarts Geburtstag, und im selben Jahr weihte Adolf Hitler in Neumarkt ein Denkmal für ihn ein. Ab 1941 und bestand ein RAD-Lager als Gefangenenlager für russische Kriegsgefangene in der Papierfabrik, und ab 1942 ein Durchgangslager für Zwangsarbeiter. In beiden Lagern kamen zahlreiche Menschen ums Leben. 1942 wurden die letzten jüdischen Bürger Neumarkts deportiert, wodurch das jüdische Leben in der Stadt endete.

Zweiter Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg bleibt Neumarkt lange verschont, obwohl das Sprengstoffwerk im Süden der Stadt Handgranaten und Minen für die Front produziert. Im Februar 1945 jedoch werden Bahnhof und Industriegebiet von alliierten Bombern beschossen, im April erneut. Beim zweiten Angriff, der wieder dem Bahnhof gilt, verfehlen viele Bomben ihr Ziel und richten im Stadtkern schwere Schäden an. Mitte April ergeht die offizielle Aufforderung zur Evakuierung. Neumarkt ist fast menschenleer, aber eine SS-Panzergrenadierdivision verschanzt sich in der Stadt. Nach schweren Gefechten zwischen der US-Artillerie und der SS bombardieren die Amerikaner die Stadt, bis die gesamte Innenstadt brennt. Als der Widerstand der SS am 22. April zusammenbricht, liegen 92 Prozent der Bausubstanz im historischen Stadtkern liegen in Trümmern.

Wiederaufbau

Trotz der gewaltigen Zerstörungen wird die Stadt zügig wiederaufgebaut. Dabei gelingt es, den historischen Charakter der Altstadt zu bewahren. Nachdem die größte Wohnungsnot beseitigt ist, wird das alte Rathaus im Herzen der Stadt wiedererrichtet und 1957 eingeweiht.

Neumarkt im 20. und 21. Jahrhundert

1968 kommt der Anschluss an die Autobahn A3. Mit der Gebietsreform von 1972 wird die kreisfreie Stadt in den Landkreis Neumarkt eingegliedert und zur Großen Kreisstadt erklärt. Viele umliegende Kommunen werden eingemeindet und der Landkreis Neumarkt mit Parsberg, Teilen von Hilpoltstein und Riedenburg verschmolzen.

1980 beginnt der Bau der Umgehungsstraßen, 1993 wird mit ersten Stadtbussen der ÖPNV eingeführt. Die Altstadtsanierung belebt das Stadtbild, Rathausplatz und Klostergasse werden zur Fußgängerzone. Nacheinander werden die Altstadtviertel renoviert und neue Wohnanlagen entstehen.

2008 erhält die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“ und von der UNESCO wird Neumarkt vier Mal hintereinander (2007/2008 bis 2013/2014) zur „Stadt der Weltdekade“ für besondere Nachhaltigkeit gekürt.

2010 feiert Neumarkt 850. Stadtjubiläum und ist seit Dezember des Jahres mit der Linie S3 an das Nürnberger S-Bahnnetz angeschlossen.

Die Stadt Neumarkt ist heute ein eigenständiges, selbstbewusstes, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum. Ein nachhaltiges umweltbewusstes politisches Handeln soll die hohe Lebensqualität auch künftig fördern.